MIRAGE I

für Sextett von B. Pröve [pdf-Download]

Karlheinz Stockhausen komponierte sein Orchsterstück „PUNKTE“ 1952, in der Hochblüte punktueller Musik und revidierte es
1964.Das Francesco Angello gewidmete Werk, kann als Antizipation der „Gruppen für drei Orchester“ betrachtet werden, da konsequent eine Verknüpfung von Tonhöhen und Zeitintervall kompositorisch durchgeführt wird.
Einher geht diese Paarung mit Tempogestaltungsformen, die z.T. für jeden Takt ein anderes Tempo vorschreiben und so Stockhausen mit seinem Werk „PUNKTEN“ zum Vorreiter einer individualisierten, durchorganisierten Tempogestaltung machen.

Mich hat das selten gespielte Werk, welches eine eigenwillige, sperrige Instrumentation besitzt und seiner durchorganisierten Tempoindividuation derart fasziniert, dass ich mich spontan entschloss eine Hommage à Karheinz Stockhausen zu komponieren, nachdem ich vom Ableben Stockhausens erfuhr, mit dem ich seit unserer Begegnung in Darmstadt, in engem Kontakt stand.
„PUNKT-LINIE-FLÄCHE“ nimmt sowohl Bezug auf die Tempoindividuation als auch auf die Repetitionstexturen in Stockhausens Werk „PUNKTE“.
Insbesondere aber bei der „flexible Zeitgestaltung“ unter Einbeziehung sich überlagernden Temposchichten, individualisierten Accelerandi bzw Riterdandi sowie die Einbeziehung von Polytempik, „Tempi individuali“, sowie das Interpretieren eines Tempos als Pulsation und umgekehrt das Interpretieren eines Pulses als Tempo versuche ich bei diesem Stück noch einen Schritt weiter zu gehen und so die Idee der Tempoindividuation und der Überlagerung von Tempi für den Hörer erfahrbar werden zu lassen.
Am Schluss des Stückes kommt es in einem quasi „ex negativo“ -Teil (Steinspiel statt Konzertinstrument) zu einem Einsatz von Lithofonscheiben (STEINSPIEL)
Die Instrumente schweigen teilweise und nur die Steinplatten werden hörbar.
Dabei versuche ich ebenfalls durch eine Überlagerung von verschiedenen Tempi unterschiedliche Pulsationsketten und damit einhergehend Klangfarben hervorzurufen, aber auch das Reiben der Steinplatten auf unterschiedlichste Art und Weise soll den Zuhörer zu intensivsten Zuhören anregen und zeigen, dass es möglich ist durch einfachste musikalische Mittel eine komplexe Musik zu komponieren.
Das Werk ist dem modern art sextet gewidmet.